Rente gut, alles gut?

Warum die Altersvorsorge von heute über die Zukunft unserer Generation entscheidet. Einfach erklärt, mit Rechnern zum Ausprobieren.

Zeichnung: Sparschwein mit Münzen und einem Schild mit der Zahl 67

Worum geht's?

Für viele von uns ist die Rente noch weit weg. Trotzdem betrifft das Thema schon unsere Generation: Was in den nächsten Jahren entschieden wird, bestimmt, wie sicher unsere Rente später ist.

Das Problem: Die Menschen werden älter und es werden weniger Kinder geboren. 2025 lag die Geburtenziffer bei nur 1,32 Kindern je Frau. Die Lebenserwartung bei Geburt erreichte 83,6 Jahre (Frauen) und 79,1 Jahre (Männer).

Im Juni 2026 hat die Rentenkommission der Bundesregierung 33 Empfehlungen vorgelegt. Das Thema ist also hochaktuell.

Die vier Stellschrauben

Wenn mehr Menschen Rente bekommen und weniger einzahlen, kann der Staat an vier Schrauben drehen. Keine davon ist ohne Nachteile:

  1. Höhere Beiträge belasten Arbeitnehmer und Arbeitgeber
  2. Niedrigeres Rentenniveau kann Altersarmut begünstigen
  3. Späterer Renteneintritt ist nicht in jedem Beruf möglich
  4. Mehr Steuergeld fehlt an anderer Stelle

Wie funktioniert die Rente?

1. Gesetzliche Rente

Beiträge vom Bruttogehalt, je zur Hälfte von dir und deinem Arbeitgeber: 18,6 % (2026), geplant 18,8 % (2027). Das Geld fließt sofort an die heutigen Rentner (Umlageverfahren). Dazu zahlt der Bund einen Zuschuss aus Steuern.

2. Betriebsrente

Läuft über den Arbeitgeber, oft per Entgeltumwandlung: Ein Teil vom Brutto geht in einen Vorsorgevertrag. Der Arbeitgeber legt 15 % drauf, soweit er Sozialbeiträge spart.

3. Private Vorsorge

Selbst sparen, z. B. mit ETFs oder Fonds. Hier hilft der Zinseszins, Gewinne sind aber nicht garantiert. Ab 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente für neue Verträge.

Euro-Geldscheine und Bankkarten
18,6 % vom Bruttolohn gehen in die Rentenversicherung. Foto: Vardan Papikyan / Unsplash

Rechenbeispiel: Was kostet die Rente im Monat?

Eine Arbeitnehmerin verdient 3.500 € brutto im Monat.

Berechnung2026 (18,6 %)2027 geplant (18,8 %)
Bruttogehalt3.500,00 €3.500,00 €
Rentenbeitrag insgesamt651,00 €658,00 €
davon Arbeitnehmerin (die Hälfte)325,50 €329,00 €
davon Arbeitgeber (die Hälfte)325,50 €329,00 €
Rentenbeitrag pro Jahr7.812,00 €7.896,00 €

Dieses Geld wird nicht für sie angespart, sondern geht sofort an die heutigen Rentner. Wenn die Zahl der Rentner steigt und die Zahl der Beitragszahler sinkt, reicht dasselbe Geld nicht mehr. Dann muss das System angepasst werden: höhere Beiträge, ein niedrigeres Rentenniveau, ein späterer Renteneintritt oder mehr Steuergeld.

Eigene Berechnung. Beitragssätze: BMAS (2026), experten.de (2027, Planung).

Der Generationenvertrag

Die Arbeitenden bezahlen die Renten der Älteren und erwarten, dass später die nächste Generation ihre Rente bezahlt. Das ist kein echter Vertrag, sondern ein Prinzip. Die Idee stammt vom Ökonomen Wilfrid Schreiber und prägte die Reform von 1957.

Wichtig: Dein Beitrag wird nicht für dich angespart. Er wird sofort ausgezahlt.

Schaubild: Arbeitende, Arbeitgeber und Bund zahlen in die Rentenkasse, die die Renten auszahlt

So wird deine Rente berechnet

Wer ein Jahr lang genau den Durchschnittslohn verdient, bekommt 1 Entgeltpunkt. Ein Punkt ist seit 1. Juli 2026 42,52 € im Monat wert. Wer früher in Rente geht, bekommt 0,3 % weniger pro Monat, und zwar dauerhaft.

Monatsrente = Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenartfaktor × Rentenwert

Mein Verdienst im Vergleich zum Durchschnitt: 100 %

Jahre, in denen ich einzahle: 45

Monate früher in Rente: 0

Deine Bruttorente pro Monat 1913,40 €

Vereinfachtes Modell, keine echte Rentenauskunft.

Eine kurze Rentengeschichte

Seit 1889 wurde die Rente immer wieder umgebaut. Filtere nach dem Ziel der Reform:

  1. 1957

    Die „dynamische Rente“

    Das Umlageverfahren wird Grundlage, die Renten wachsen mit den Bruttolöhnen und steigen deutlich.

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    Rentner sollten am wirtschaftlichen Fortschritt teilhaben. Das klappte gut, solange viele Beitragszahler wenigen Rentnern gegenüberstanden.

  2. 1992

    Netto statt Brutto

    Renten richten sich jetzt nach den Nettolöhnen. Altersgrenzen steigen, für frühen Rentenbeginn gibt es Abschläge.

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    Die Reform reagierte auf die absehbare Alterung und sollte die Finanzierung langfristig sichern.

  3. 2001

    Riester-Rente

    Das Rentenniveau wird langfristig gesenkt, dafür fördert der Staat private Vorsorge (ab 2002).

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    Kritik: komplizierte Verträge, teils hohe Kosten, wenig Verbreitung. Laut DIW stagnierte sie bei etwa einem Viertel der Erwerbsfähigen.

  4. 2004

    Nachhaltigkeitsfaktor

    Wenn es weniger Beitragszahler pro Rentner gibt, steigen die Renten langsamer.

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    Gleichzeitig galten Grenzen: Beitrag höchstens 20 % bis 2020 und 22 % bis 2030, Rentenniveau mindestens 46 bzw. 43 %.

  5. 2007

    Rente mit 67

    Ab 2012 steigt das Rentenalter Schritt für Schritt von 65 auf 67. Jahrgang 1964 ist der erste mit voller 67 (im Jahr 2031).

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    Grund: Wir leben länger. Kritik: Nicht jeder Beruf geht bis ins hohe Alter.

  6. 2014

    „Rente mit 63“

    Nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge früher in Rente. Die Grenze steigt bis 65, aktuell liegt sie bei etwa 64,5.

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    Kritik: teuer, und es profitieren vor allem Menschen mit langen, lückenlosen Berufsjahren. Die Rentenkommission 2026 will sie abschaffen.

  7. 2019

    Doppelte Haltelinie

    Beschlossen 2018: Bis 2025 soll das Rentenniveau nicht unter 48 % fallen und der Beitrag nicht über 20 % steigen.

    Was ist das Rentenniveau?

    Eine Rechengröße: Standardrente nach 45 Jahren im Vergleich zum Durchschnittslohn. 48 % heißt nicht, dass jeder 48 % seines letzten Gehalts bekommt. Seit 2021 gibt es zusätzlich die Grundrente für Geringverdiener mit langen Berufsjahren.

  8. 2025

    Rentenpaket 2025

    Die 48 % gelten jetzt bis 1. Juli 2031. Dazu kommen Mütterrente III und die Aktivrente.

    Mehr dazu

    Ohne Verlängerung wäre das Niveau bis 2031 auf etwa 47 % gesunken. Aktivrente: Wer nach dem Rentenalter weiterarbeitet, darf seit 2026 bis zu 2.000 € im Monat steuerfrei verdienen. Kritik: Die Mehrkosten tragen vor allem Jüngere.

  9. 2026

    Rentenkommission und Altersvorsorgedepot

    Riester-Nachfolger ab 2027, geplante Frühstart-Rente (10 € im Monat für 6- bis 18-Jährige) und 33 Empfehlungen der Kommission.

    Was empfiehlt die Kommission?

    Rentenalter im Verhältnis 2:1 an die Lebenserwartung koppeln, Rente nach 45 Jahren ohne Abschlag abschaffen, eine Kapitalrente mit 2 % Beitrag nach schwedischem Vorbild und neue Selbstständige, Abgeordnete und AG-Vorstände einbeziehen. Noch kein Gesetz (Stand Oktober 2026).

Das große Problem: Wir werden älter

1,32

Kinder je Frau (2025). Nötig wären rund 2,1.

83,6

Jahre Lebenserwartung für Frauen (Männer: 79,1)

51,2 Mio.

Menschen zwischen 20 und 66 (2024), Tendenz sinkend
Älteres Paar schaut auf das Meer
Wir leben länger, und damit dauert auch die Rente länger. Foto: Al Elmes / Unsplash
Schaubild: 1,32 Kinder je Frau im Vergleich zu 2,1

Ein Kreis = ein Kind je Frau. Quelle: Destatis, Juli 2026

Baby mit Stofftier
Seit den 1970ern werden in Deutschland zu wenig Kinder geboren. Foto: Kelly Sikkema / Unsplash

Wir leben länger

Eigentlich super! Aber Renten werden dadurch länger ausgezahlt.

Weniger Kinder

Es kommen weniger Beitragszahler nach.

Babyboomer gehen

Die Jahrgänge 1955 bis 1969 gehen seit Mitte der 2020er in Rente.

Drei Ideen für eine sichere Rente

1. Alle zahlen ein (Erwerbstätigenversicherung)

Auch Selbstständige, Abgeordnete und Vorstände sollen in die gesetzliche Rente einzahlen. Die Kommission empfiehlt, neue Selbstständige ab einem Stichtag einzubeziehen.

Vorteile Mehr Beitragszahler, bessere Absicherung für Selbstständige, die Last verteilt sich auf mehr Schultern.
Nachteile Wer einzahlt, bekommt später auch Rente. Für Beamte rechtlich sehr kompliziert.

Unsere Meinung: gerechter, aber nur Schritt für Schritt und nicht als einzige Lösung.

2. Länger arbeiten

Das Rentenalter steigt mit der Lebenserwartung im Verhältnis 2:1: von drei zusätzlichen Lebensjahren zwei arbeiten, eins in Rente. Das wären rund 67,5 Jahre im Jahr 2041.

Vorteile Länger einzahlen, kürzer Rente beziehen. Klare Regel statt ständigem Streit.
Nachteile In Bau oder Pflege oft nicht möglich. Geringverdiener leben im Schnitt kürzer.

Unsere Meinung: sinnvoll, aber nur mit Ausnahmen für harte Berufe.

3. Geld anlegen (Kapitaldeckung)

Eine gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild: 2 % zusätzlicher Beitrag, je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Vorteile Weniger abhängig von der Bevölkerung. Junge haben viel Zeit für den Zinseszins.
Nachteile Börsenkurse schwanken. Junge zahlen doppelt: für heutige Renten und für sich selbst.

Unsere Meinung: gute Ergänzung, aber kein Ersatz für die gesetzliche Rente.

MaßnahmeGrößter VorteilGrößtes Risiko
Alle zahlen einBreitere BeitragsbasisNeue Ansprüche, Belastung Selbstständiger
Länger arbeitenEntlastung der RentenkasseUngleich belastend je nach Beruf
Geld anlegenWeniger demografieabhängigMarktrisiko, Übergangsbelastung

Keine Idee löst das Problem allein. Erst die Kombination macht die Rente stabiler.

Ist das gerecht?

Jung gegen Alt?

Die heutigen Rentner haben eingezahlt und verlassen sich auf ihre Rente. Gleichzeitig bezahlen wir Jungen diese Renten. Steigen die Beiträge, bleibt uns weniger Netto. Sinkt das Rentenniveau, droht Altersarmut. Beide Generationen brauchen ein funktionierendes System.

Altersarmut 2025

Anteil der Menschen, die armutsgefährdet sind:

Alle: 16,1 %
Ab 65: 19,5 %
Männer ab 65: 17,3 %
Frauen ab 65: 21,3 %

Quelle: Destatis

Frauen trifft es öfter, weil sie häufiger Kinder betreuen, Angehörige pflegen und in Teilzeit arbeiten.

Was heißt das für uns?

Rotes Sparschwein
Früh mit kleinen Beträgen anfangen. Foto: Andre Taissin / Unsplash

Der Zinseszins-Rechner

Ich fange an mit 18 Jahren

Ich spare pro Monat 100 €

Angenommene Rendite 5 %

Mit 67 hast du ungefähr 243.521 € davon selbst eingezahlt: 58.800 €

Vor Kosten, Steuern und Inflation. Renditen sind nicht garantiert.

Start mitEingezahltMit 67 (ca.)
18 Jahren58.800 €243.500 €
28 Jahren46.800 €140.000 €
38 Jahren34.800 €76.500 €

Zehn Jahre später starten heißt: nur 12.000 € weniger eingezahlt, aber am Ende über 100.000 € weniger.

Reicht die Rente?

Die gesetzliche Rente bleibt die Basis. Wie hoch das Rentenniveau nach 2031 ist, ist aber offen.

Finanzbildung zählt

Wer Sparen und Geldanlage versteht, fällt nicht auf unseriöse Angebote herein.

Nicht jeder kann sparen

In Ausbildung oder Studium bleibt oft kaum Geld übrig. Förderung muss Geringverdiener erreichen.

Wie geht's weiter?

Die Rente der Zukunft besteht wohl aus mehreren Bausteinen: die gesetzliche Rente als Grundlage, dazu eine Kapitalrente, Betriebsrente und private Vorsorge. Auch mehr Beschäftigung, Zuwanderung in Arbeit und höhere Produktivität helfen.

Was kommt wann?

  • Ende 2026: Koalition will Reform beschließen
  • 1.1.2027: Start Altersvorsorgedepot
  • ab 2028: Kapitalrente (Vorschlag)
  • 1.7.2031: Haltelinie 48 % endet

Fazit: Rente gut, alles gut?

Die gesetzliche Rente ist eine der wichtigsten sozialen Errungenschaften Deutschlands, steht aber durch den demografischen Wandel unter Druck. Am sinnvollsten finden wir eine Kombination: mehr Menschen zahlen ein, das Rentenalter wird fair angepasst und es gibt mehr Kapitaldeckung.

Unsere Antwort: Eine gute Rente braucht ein gerechtes, modernes und bezahlbares Rentensystem. Das betrifft uns schon heute.

Quiz: Weißt du Bescheid?

1. Wie heißt das Finanzierungsprinzip der gesetzlichen Rente?


2. Wie hoch ist der Rentenbeitrag 2026?


3. Wie viel ist ein Entgeltpunkt seit Juli 2026 wert?


4. Was ersetzt ab 2027 die Riester-Rente?


5. Wie viele Kinder je Frau wurden 2025 geboren?


Quellen

Abrufstand: Oktober 2026

  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Geburtenziffer und Lebenserwartung 2025, Armutsgefährdung, Grundsicherung. destatis.de
  • Deutsche Rentenversicherung: Beitragssatz, Rentenformel, Geschichte. deutsche-rentenversicherung.de
  • BMAS: Rentenanpassung 2026 und Rentenkommission. bmas.de
  • Bericht der Alterssicherungskommission (23.6.2026). bundesregierung.de (PDF)
  • Bundesregierung: Fragen und Antworten zur Rentenreform. bundesregierung.de
  • Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot (27.3.2026). bundestag.de
  • Bundesfinanzministerium: Frühstart-Rente (17.12.2025). bundesfinanzministerium.de
  • DIW Berlin: 20 Jahre Riester-Rente, Wochenbericht 40/2021. ideas.repec.org
  • Bundeszentrale für politische Bildung: Dossiers zu Rente, Demografie und Generationengerechtigkeit. bpb.de
  • Gesetze: SGB VI, Betriebsrentengesetz, SGB XII. gesetze-im-internet.de
  • Sparrechner und Rechenbeispiel 3.500 €: eigene Berechnung.

Fotos

Alle Zeichnungen, Schaubilder und Rechner: eigene Darstellung.